Rockenhofkirche, HH-Volksdorf, 1996
Rockenhofkirche, HH-Volksdorf, 1996

Der Park der Götter lag vor ihm; er sah ihn. Er geht mit eiligen Schritten auf den Garten der Götter zu. Rubine sind seine Früchte, rankende Reben hängen da, wundervoll anzuschauen; Lapis Lazuli trägt ein anderer Baum, und mancherlei Früchte, begehrenswert anzusehen, tragen die Bäume des Gartens. Lockend glänzt in den Strahlen der Sonne der Garten.

 

– Aus dem Gilgamesch Epos

 

 

Das Göttliche ist überall, auch im Sandkorn. Da habe ich es einmal im Schilfe dargestellt.

– Caspar David Friedrich

Der Symbolgehalt aller Naturerscheinungen bildet die Grundlage der Ästhetik der Romantik.

– Johann Gottfried Herder

Geburt, Tod und Auferstehung begriff Caspar David Friedrich als kosmischen Kreislauf

– J. Ch. Jensen über C. D. Friedrich

 

 

...Die Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um unter den Sternen zu wandeln. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil dieser Erde, und sie ist ein Teil von uns...

...Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser – sondern das Blut  unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land unserer Vorfahren verkaufen, müsst Ihr wissen, dass es heilig ist, und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist , und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt...

 

– Aus der Rede des Häuptlings Seattle

 

 

...Wer darf sich erinnern, stundenlang das Licht und sein unendliches Spiel in den winzigsten Mulden einer Landschaft oder in den Domkuppeln eines Buchenwaldes studiert zu haben?...

 

...Es ist zu vermuten, dass die historische Schwächung des Wahrnehmungsvermögens und des ästhetischen Urteils erheblich daran mitgewirkt haben, dass innerhalb der, naturgeschichtlich gesehen, lächerlich  kurzen Spanne von 150 Jahren das ungeheuer komplizierte Kunstwerk der Ökologie  unserer Erde bis an den Rand seiner Zerstörung gefährdet wurde...

 

– Hartmut Böhme

 

 

...War eine Wolke, die ich lange sah

sie war sehr weiß und ungeheuer oben

und als ich aufsah, war sie nimmer da...

Jetzt mache ich mir etwas zu essen.  Kann Radio hören. In Schweden habe die radioaktive Luftbelastung  weiter nachgelassen...Nun aber, habe ich gedacht, während ich die gekochten Kartoffeln abpellte, durfte man gespannt sein, welcher Dichter es  als erster wieder wagen würde, eine weiße Wolke zu besingen. Eine unsichtbare Wolke von ganz anderer Substanz hatte es übernommen, unsere Gefühle – ganz andere Gefühle – auf sich zu ziehen. Und sie hat, habe ich wieder mit dieser finsteren Schadensfreude gedacht, die weiße Wolke der Poesie ins Archiv gestoßen...

 

– Christa Wolf, aus: Störfall

 

 

Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes;
mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.

 

– Offenbarung, 22, 1 – 2

 

 

Eine Esche weiß ich, sie heißt Yggdrasil,
die hohe, umhüllt von hellem Nebel
von dort kommt der Tau, der in Täler fällt,
immergrün steht sie am Urdbrunnen.

Von dort kommen Frauen, vielkundige,
drei aus dem Born, der beim Baume liegt:
Urd hieß man die eine, die andre Werdandi –
Sie schnitten ins Scheid - , Skuld die dritte;
Lose lenkten sie, Leben koren sie
Menschenkindern, Männergeschick.

 

– Edda, aus: Der Seherin Gesicht

 

 

... Und später, da standen sie einmal
Just vor den heiligen Stufen, von Alter geschwächt, und besprachen,
Was früher hier geschehen: da sah Philemon, wie Baucis
Sich umlaubte, und Baucis ersah an Philemon dasselbe.
Und als schon über beider Gesichter der Wipfel emporwuchs,
Tauschten sie Worte, solange sie durften: „Leb wohl, o mein Gatte!“
Riefen sie beide zugleich, und zugleich verbarg und umhüllte
Laubwerk ihr Antlitz. Noch jetzt zeigt dort der Bewohner von Thynien
Fremden die Stämme, die einst aus den beiden Körpern entstanden.

 

– Ovid, Metamorphosen, aus: Philemon und Baucis

 

 

Gesang der Geister über dem Wasser

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst Du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

 

– Johann Wolfgang von Goethe

 

 


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